Das große Geschäft mit den Kleiderspenden aus Deutschland

[…] Die meisten Spendensäcke wandern allerdings nicht etwa in die Kleiderkammer des DRK, wo die Sachen an Bedürftige abgegeben werden. Die ist voll bestückt, nur wenige Menschen nehmen das Almosen in Anspruch.

[…] Aber Wolfgang Huse glaubt zu wissen, was mit den gespendeten Altkleidern passiert: Sie würden in einer großen Sortieranlage bei Bitterfeld gesammelt und gingen von dort direkt in die Krisengebiete der Welt. Deshalb hat er »ein gutes Gefühl, wenn man denkt, dass Hilfsbedürftige davon existieren, die sich sonst nichts leisten können«. So ungefähr stimmt das sogar, nur ein entscheidendes Detail ist selbst dem Angestellten des DRK nicht bewusst: Es sind nicht die Hilfsbedürftigen der Welt, die von den Spenden leben, sondern eine global arbeitende und denkende Branche, die die Kleidung in einem knallharten Geschäft verkauft. Und das in so großen Mengen, dass die einheimische Textilindustrie in vielen belieferten Ländern inzwischen vollkommen marginalisiert ist.
[…]
…Friedel Hütz-Adams, der für das Südwind-Institut für Ökonomie und Ökumene an einer Studie über die wirtschaftlichen Konsequenzen der Altkleiderspenden in Afrika arbeitete, hat einen ganz einfachen Tipp für alle, die nicht mehr Teil des Geschäftes mit den Spenden sein und dennoch ihre Altkleider nicht einfach wegwerfen wollen: alles gründlich zerschneiden und dann in den Spendensack. So muss Soex recyceln, und das Material kommt in den Wertstoffkreislauf, nicht in die Dumpingspirale der Exportwirtschaft.
Quelle: zeit.de

Ich hatte auch schon gehört, daß das mit den Kleiderspenden wohl nicht ganz so ist, wie man sich das denkt. Allerdings mehr in die Richtung, das Problem sei, daß die Klamotten geshreddert werden, und in der Textilindustrie weiter verwendet werden (oder so ähnlich…). Aber die gesammelte Kleidung wird tatsächlich als Second-Hand in armen Ländern verkauft.

Für mich ist es immer Pflicht gewesen, meine Kleidung in die Sammelboxen zu werfen, damit jemand anderes nochwas davon hat. Aber wenn das gar nicht wirklich hilft, sondern eher ins Gegenteil umschlägt? Also wirklich zerschneiden, um das Material (wenigstens) dem Wertstoffkreislauf zuzuführen?

Tja, gut gemeint ist mal wieder nicht gut gemacht… das ewige Problem der Entwicklungshilfe. Gut finde ich, daß das kritische Hinterfragen von Entwicklungshilfe zunehmend kommt. Das nicht mehr nur zählt: wir tun was, und zwar in Höhe von nnn €, sondern daß es drauf ankommt, wirklich etwas zu erreichen.
Das große Problem hier ist, ähnlich wie im Gesundheitswesen: die Personen, die sich damit wirklich auskennen, sind auch die, die von den Spenden und Hilfsgeldern profitieren oder gar abhängig sind. Wie kann man da Objektivität erwarten?

Ein weiterer interessanter Artikel (Interview) der Zeit zum Thema: „Intuition hilft nicht“
Die Wirtschaftswissenschaftler Esther Duflo und Abhijit Banerjee plädieren für eine neue Form der Entwicklungshilfe. Mit Zufallsexperimenten, wie sie in der Medizin üblich sind, wollen sie wirksame von unwirksamen Methoden unterscheiden.
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Die Vision ist eine Entwicklungshilfe, die evidenzbasiert ist, die also auf wissenschaftlich belastbaren Daten beruht.