Es gibt eine unbewusste Art des Sehens, die Bewegungen steuert, behaupten Forscher. Sie lässt uns Steigungen richtig einschätzen und warnt uns vor heranfliegenden Gegenständen.
Seit dem Unfall nimmt Fletcher damit nur noch wenig bewusst wahr. Sie kann die Farbe und Oberflächenbeschaffenheit von Dingen ausmachen. Sie weiß also etwa, dass etwas aus rotem Plastik ist. Aber sie ist ratlos, was es sein könnte. Fletcher kann keine Formen mehr identifizieren: Sie erkennt die Gesichter ihrer Freunde nicht. Sie kann ein Quadrat nicht von einem Dreieck unterscheiden. Und als die britischen Psychologen Melvyn Goodale und David Milner ihr eines Tages einen Bleistift zeigten, konnte sie nicht einmal sagen, ob er senkrecht oder waagrecht gehalten wurde.

Doch dann geschah es: Sie griff nach dem Bleistift, obwohl sie ihre Hand dazu in der Bewegung richtig drehen musste. Es dauerte ein paar Augenblicke, bis den beiden Experten klar wurde, was gerade geschehen war. Eine Frau, die einen Bleistift nicht als solchen erkennen kann, geschweige denn, wie er gehalten wird, hatte ihn trotzdem perfekt gegriffen. Die Forscher versuchten es wieder und wieder. Jedes Mal meisterte Fletcher die Aufgabe.

Sehr spannender und interessanter Artikel (auf zeit.de) über das dorsale Sehsystem. Wissenschaft macht Spaß !